F3B Rahmenausschreibung

Begriffs(er)klärung

Sport? Was können wir eigentlich unter dem Begriff Sport verstehen? Gibt es eigentlich einen Modellflugsport oder einen Modellsegelflugsport? Die meisten Länderfinanzminister verweigern uns Modellfliegern die Anerkennung als Sport (der Gemeinnützigkeit), obwohl sie gleichzeitig z. B. das Schachspielen als Sport anerkennen. Wir kennen die Argumente der Länderfinanzminister nicht, und wollen uns auch nicht in philosophischen Ergüssen über den Oberbegriff Sport ergehen, der Griff zum Lexikon sei jedoch gestattet. Was steht denn dort unter dem Begriff Sport? Sport vom lateinischen Wort disportare, soviel wie "Erholung", "Zerstreuung" und "Spiel". Ursprünglich eine im Freien ausgeübte Tätigkeit zur Förderung der körperlichen Leistungen, meist verbunden mit dem Bestreben, auf einem bestimmten Gebiet Hervorragendes zu leisten oder Rekorde aufzustellen. Jetzt wissen wir es also, Sport ist Spiel nach festgelegten Regeln und Bewertungsmethoden, bei dem Können und Geschicklichkeit maßgebend sind. Modellflug ist demnach klar eine Sportart und an die Durchführung von Wettbewerben gebunden. Ohne sie verliert der Modellflugsport seinen Sinn.

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Die Entstehung der Modellflugklasse F3B

Wie in allen anderen Sportarten kann auch im Modellflugsport nur Gleiches mit Vergleichbarem verglichen werden, wenn man zu wirklich leistungsgerechten, und für den Teilnehmer befriedigende Ergebnissen kommen will. National und international wurden daher die Flugmodelle vom Deutschen Aero Club (DAeC) bzw. von der Federation Aeronautique International (FAI), jener Dachorganisation, die weltweit neben unseren "großen"' Kollegen auch die Modellflieger koordiniert, in Klassen eingeteilt, die es ermöglichen sollen, Wettbewerbe unter möglichst gleichen Bedingungen austragen zu können. Um keinen falschen Eindruck enstehen zu lassen, möchten wir ausdrücklich anmerken, daß der Leistungs- oder Wettbewerbsmodellflug sicher nicht den ganzen Modellflug repräsentiert. Wir sind aber der Meinung, daß ohne Leistungsmodellflug der gesamte Modellflug, und insbesondere der Modellsegelflug, heute nicht den Stand in der technischen Entwicklung sowie in der allgemeinen Popularität erreicht hätte, auf dem er sich heute befindet. Einen nicht unerheblichen, wenn nicht herausragenden Anteil an dieser Entwicklung hat sicher die F3B Modellflugklasse. Die Bezeichnung F3B ist die internationale Klassenbezeichnung des Teiles vom Modellflug, mit dem wir uns im Folgenden ein wenig befassen wollen. Unter dem Kennbuchstaben F hat die FAI die ganze Gruppe der Flugmodelle im Gesamtsystem der Luftfahrzeuge des "Sporting Code" zusammengefaßt. Unter den Flugmodellen ist die Gruppe der Fernlenkflugmodelle zwar die zeitlich jüngste, inzwischen aber zweifelsohne zahlenmäßig national und auch international größte, und nach Klassen vielseitigere Gruppe innerhalb der internationalen Aufgliederung. Die Zahl 3 steht hier für Fernlenkflug.

F3 = Fernlenkflugmodelle

Innerhalb der Fernlenkflugmodelle unterscheiden wir unter anderem zwischen Flugmodellen mit Kolbenmotor, Wasserflugmodellen mit Kolbenmotor, Elektroflugmodellen, Hubschraubermodellen oder Segelflugmodellen. Die im Laufe der letzten Jahre mit weitem Abstand am stärksten besetzte Klasse des ganzen RC-Modellfluges ist die Klasse der Segelflugmodelle geworden. Die Segelflugmodelle sind von der FAI mit dem Buchstaben B gekennzeichnet worden.

F3B = Fernlenk-Segelflugmodelle

Da somit alle ferngesteuerten Segelflugmodelle nach der Klasseneinteilung der FAI unter die Bezeichnung F3B fallen, sind wir eigentlich noch nicht bei dem, was im allgemeinen Flugmodellbauer meinen, wenn sie von F3B reden. Wir verstehen heute unter F3B-Modellen, sicher nicht ganz korrekt, die Modelle, die für den Einsatz in Wettbewerben der internationalen F3B Wettbewerbsklasse, wie im FAI Sporting Code Section 4 beschrieben, geeignet sind. FAI Wettbewerbe für ferngesteuerte Segelflugmodelle gab es auch schon vor der Einführung der heute gültigen F3B Wettbewerbsregeln, jedoch befriedigte das alte Reglement des reinen Zeitfluges mit anschließender Ziellandung sehr bald nicht mehr alle Segelflugenthusiasten. In den verschiedenen Ländern wurden daher die alten FAI-Regeln auf die verschiedenste Weise abgeändert, doch keine der Änderungen konnte sich international durchsetzen. In der momentan auch international immer beliebter werdenden Wettbewerbsklasse F3J wird versucht, dem alten Reglement wieder Leben einzuhauchen. Es ist auch absolut nicht einzusehen, warum neben unserer F3B Wettbewerbsklasse nicht auch eine etwas mehr jugend- oder seniorenfähige Segelflug Wettbewerbsklasse Bestand haben sollte. Doch zurück zur Entstehung der heutigen F3B-Wettbewerbsklasse für ferngesteuerte Segelflugmodelle. Bei unseren großen Vorbildern im modernen manntragenden Segelflug, ist der Wettbewerb heute dadurch gekennzeichnet, daß Strecken (vorzugsweise im Dreieck) mit möglichst großer Reisegeschwindigkeit abgeflogen werden müssen. Dementsprechend wird ein modernes Segelflugzeug in möglichst optimaler Weise die z.T. widersprüchlichen Leistungsmerkmale kleiner Sinkgeschwindigkeit bei möglichst kleiner Fluggeschwindigkeit, und große Gleitzahl bei möglichst hoher Fluggeschwindigkeit in sich vereinen. Die kleine Sinkgeschwindigkeit bei kleiner Fluggeschwindigkeit ermöglicht es dem Piloten auch in kleinsten Aufwindfeldern schnell auf Höhe zu kreisen. Die große Gleitzahl, gepaart mit einer hohen Fluggeschwindigkeit, erleichtert es dann dem Piloten, schnell eine große Strecke bis zum nächsten Aufwindfeld zurückzulegen. Da sich der Modellflugliebhaber natürlicherweise gerne an seinen großen Vorbildern orientiert, lag es nahe, daß die F3B Wettbewerber, deren Wettbewerb aus Zeitflügen mit unterschiedlichsten Landebewertungen bestand, sich nach einem neuen, zeitgerechteren Wettbewerbsmodus umschauten. An den verschiedensten Orten der Welt entstanden die unterschiedlichsten Wettbewerbsmodi, bei denen man immer versucht hat, die Streckenflug- bzw. Dreiecksflugaufgabe der Großen zu übernehmen. Mit den seit der Einführung der Kunststoffsogelflugzeuge, rapide anwachsenden Durchschnittsgeschwindigkeiten, die unsere manntragenden Kollegen für das Abfliegen ihrer Strecken benötigten, wuchsen bei den fernsteuernden Segelflugpiloten die Überlegungen, neben der Sinkgeschwindigkeit, die ja hauptsächlich für die bisher geforderte Zeitflugtauglichkeit eines Modells verantwortlich ist, auch die Gleitzahl Höchstgeschwindigkeit einer Modellkonstruktion wettbewerbsmäßig zu erfassen. In San Marino ist so das lange Zeit viel besuchte Pylonfliegen von der Burg ins Stadion entstanden. In den USA und in England entstand das sogenannte "CrossCountry"-Fliegen, bei dem der Modellflugpilot sein Segelflugmodell mit einem Begleitfahrzeug verfolgend über Land steuert, um eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Neben den beiden genannten Wettbewerbsarten sind viele andere erprobt worden, jedoch fanden alle nicht die internationale Verbreitung, die notwendig gewesen wäre, um den Austragungsmodus in den "Sporting Code" der FAI zu übernehmen. Im Jahre 1973 wurde von unseren italienischen Freunden ein Wettbewerbsmodus vorgeschlagen, bei dem Zeit, Strecke und Geschwindigkeit als drei Aufgaben geflogen werden sollten. 1974 wurde dieser Vorschlag von der FAI in das intenationale Wettbewerbsregelwerk, den "Code Sportivea" (franz.) oder engl. "Sporting Code" übernommen. Wir können dementsprechend das Jahr 1974 als das Geburtsjahr der modernen F3B Wettbewerbsfliegerei für ferngesteuerte Segelflugmodelle bezeichnen. Die FAI Regeln limitieren die maximale Größe und das Gewicht der Modelle auf 150 qdm bzw. 5 kg. Die Flächenbelastung darf dabei zwischen 12 g/qdm und 75 g/qdm variieren. Die Modelle dürfen mit einer Hochstartleine in zwei verschiedenen Arten gestartet werden: mit Hilfe einer elektromotorgetriebenen Winde über eine Umlenkrolle, oder durch ein manuell betriebenes Umlenksystem. Bei dem manuellen System darf die Hochstartleine 175 m, bei der Winde 400 m lang sein. In diesem Falle muß das Seil jedoch durch die erwähnte Umlenkrolle geführt werden, die 200 m von der Winde entfernt zu befestigen ist. Klar, daß heute auf den Wettbewerben 100 % der F3B Wettbewerber im Normalfall die Winde bevorzugen.

Die Windenentwicklung

In diesem Zusammenhang darf nicht verschwiegen werden, daß die motorgetriebene Winde, deren Leistung 1974 noch freigestellt war, mittlerweile einem rigiden Reglement untenwarfen ist. Schon früh haben die Wettbewerber erkannt, daß zur Leistungssteigerung an den folgenden drei Regulativen gedreht werden konnte: erstens am Modell (Flugleistung und einfaches Handling), zweitens am Pilot (Training) und drittens an der Winde (Hochstartleistung). Die Kanadier waren wohl die ersten, die die Erkenntnis, daß eine starke Winde in einer großen Ausklinkhöhe resultieren müsse, ausnutzten. Sie bauten eine überstarke Winde mit zwei großen Motoren und betrieben diese mit zwei riesigen Lastwagenbatterien mit 24V - in der angelsächsischen Fachpresse wurde diese Winde später "Gorilla" genannt - und beschleunigten damit ihre Modelle fast horizontal, um dann die Fahrt in Höhe umzusetzen. Sie können sich vorstellen wie gefährlich ein solchermaßen beschleunigter Rumpf wird, wenn er sich seiner Flächen entledigt hat. Grund genug für die FAI eine Windenmotor- und Batteriebegrenzung (maximaler Motordurchmesser 140 mm, maximale Motorlänge 215 mm, 12V, Batteriemaße: Länge + Breite + Höhe maximal 750 mm) in das Reglement einzuführen. Daß die eingeführten Windenregeln mit ihrer Begrenzung von Batteievolumino und Batteriespannung, sowie der Motorabmessungen ein wenig an den technischen Realitäten vorbeispezifizierten, wird gleich deutlich werden. Wer glaubte mit einer solchermaßen spezifizierten scheinbaren Windengleichheit sei die Windenentwicklung abgeschlossen, mußte sich schon kurz nach Einführung des Windenreglements eines besseren belehren lassen. Nach der Jagd auf die größten Batterien und dem stärksten Motor innerhalb des Reglements, folgte die Jagd nach dem stärksten Motor mit gleichzeitig der höchsten Drehzahl. Solchermaßen ausgereitzte Winden demonstrierten auf diversen Wettbewerben, daß sie nahezu unbeherrschbare Kräfte erzeugen konnten. Um die Winden wieder etwas zu entschärfen wurde kurzzeitig ein sog. "Weak-Link", ein Seilstück, daß nur eine begrenzte Festigkeit hatte, eingeführt. Man hatte also wieder einmal daß Symptom bekämpft, und nicht die Krankheit, was letztendlich Ralf Decker veranlaßte sich verstärkt für ein vernünftigeres Windenreglement einzusetzen. Heute ist im Sportingcode die Winde u. A. mit einem Startermotor mit mindestens 15 mOhm Innenwiderstand, einer Batterie mit maximum 275 A und einem Innenwiderstand von mindestens 5,4 mOhm sauber spezifiziert. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß mit dieser Windenspezifikation in etwa gleich starke Winden gebaut werden können. Jedenfalls gab es in den letzten Jahren keine Ausreißer mehr, die eine Diskussion über das Windenreglement gerechtfertigt hätten. Die heutigen Winden gestatten je nach Wetterlage Ausklinkhöhen zwischen 180 m und 280 m. Je nach Wetterlage werden heute unterschiedliche Seildurchmesser (1,0 mm bis 1,5 mm) eingesetzt. Damit wird erreicht, daß die Seilelastizität der Seilkraft angepaßt wird.

Die Flugaufgaben

Nach der langen Vorrede ist der eigentliche FAI F3B Wettbewerbsmodus schnell beschrieben. Die Prüfung von Pilot und Modell besteht aus drei verschiedenen Flugaufgaben: Zeitflug, Streckenflug und Geschwindigkeitsflug. Eine Runde besteht aus diesen drei Disziplinen (Aufgaben A, B, und C). Innerhalb einer Runde darf manuell nur das Gewicht des Modells verändert werden. Zeitflug und Streckenflug werden Gruppenbezogen geflogen, das heißt in jeder Startgruppe (beim Zeitflug 6 bis 12 Teilnehmer, beim Streckenflug 4 bis 6 Teilnehmer) werden die Einzelergebnisse mit dem Ergebnis des Gruppenbesten relativiert. In neuerer Zeit wird auch versucht den Geschwindigkeitsflug gruppenbezogen zu werten wenn die Wetterbedingungen grob unterschiedlich sind. In der Aufgabe A, dem Zeitfliegen, wird ein Dauerflug von 10 Minuten (früher 7 Minuten) mit anschließender Ziellandung verlangt. Jede Abweichung von der Zeit, wie vom Mittelpunkt des Landekreises (Radius 5 m), wird dem Piloten von seinen Punkten abgezogen. Der Teilnehmer hat mehrere Versuche, muß den Zeitflug jedoch innerhalb einer Rahmenzeit von 12 Minuten abgeschlossen haben. Die 10-Minuten-Regelung galt erstmals in der Saison 1997 und hat, man kann sagen, teilweise erhebliche Differenzierungsdienste geleistet. Während früher bei 7 Minuten auch Mittelklasse-Pioten kaum Punkte abgaben, haben sich 600 Sekunden geforderte Flugzeit als ein wirklich "dicker Brocken" erwiesen. Die 97er Saison hat gezeigt, daß die neue Regelung neben der zusätzlichen Differenzierung auch weitere Spannung ins F3B-Geschehen gebracht hat. Der Zeitflug ist wieder zu einer anspruchsvollen Aufgabe geworden und wird auch in der aktuellen Saison für viel Nervenkitzel sorgen!

Dieter Pfefferkorn

Rahmenausschreibung zur F3B Euro-Tour 2000

Die F3B Euro-Tour 2000, organisiert durch CONTEST-Förderkreis Modellsport, ist die Zusammenfassung von mehreren offenen F3B-Wettbewerben in verschiedenen europäischen Ländern.

Allgemeines

An der F3B Euro-Tour 2000 nimmt jeder Pilot automatisch Teil, der an einem Tourwettbewerb antritt. Die Wettbewerbe werden nach den Regeln der FAI Sporting Code F3B, Stand 1.1.98, mit den Ausführungsbestimmungen des jeweiligen Veranstalters durchgeführt. CONTEST ist nicht Veranstalter der Tour-Wettbewerbe und kann eine Teilnahme nicht garantieren, da einzelne Veranstaltungen eine Teilnehmerbegrenzung haben. CONTEST übernimmt keinerlei Haftung.

Wertung

Von den 12 stattfindenden Tour-Wettbewerben werden die besten drei Prozentpunktergebnisse eines jeden Tour-Teilnehmers addiert. Anhand dieser Summen wird eine Rangfolge erstellt. Bei Gleichstand werden die besseren Streichergebnisse herangezogen. Wird bei einem Tour-Wettbewerb ein FlyOff durchgeführt, so hat dieses Ergebnis keinen Einfluß auf die Prozentpunkte für die Tour-Wertung. D. h., es kommen nur die Leistungen in die Wertung, die von allen geflogen werden konnten.

Horst Kropka

Stand 8.4.2000